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Dissertationspreis für Mirjam Lücking

Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie würdigt Arbeit über die Wahrnehmung der „arabischen Welt“ in Indonesien.

Die Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA) hat ihren erstmals vergebenen Dissertationspreis an Dr. Mirjam Lücking verliehen. Die Ethnologin erhielt die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre Arbeit „Indonesians and their Arab World. Guided Mobility among Labour Migrants and Mecca Pilgrims”. Lücking promovierte an der Universität Freiburg am Institut für Ethnologie bei Prof. Dr. Judith Schlehe. Eine unabhängige Kommission entschied über die nominierten Arbeiten und beschloss die Verleihung von drei ersten Preisen. Über die ausgezeichnete Dissertation von Mirjam Lücking sagte sie: „Die Arbeit zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung zwischen Theorie und Empirie aus, die vorbildlich ist und die man so nur ganz selten in Dissertationen findet! Methodisch beeindruckt die Schrift durch Erfahrungsnähe und Empathie, ebenso wie ihre notwendige analytische Distanz und ihr nachvollziehbares Vorgehen.“

Die Arbeit leistet einen Beitrag zum Verständnis aktueller Veränderungen islamischer Lebensgestaltung in Indonesien und zu Wirkungen globalisierter Mobilität. Die ethnographischen Daten aus dem Alltagsgeschehen der Menschen geben Perspektiven Raum, die in vielen anderen Studien unterrepräsentiert sind.

Wie Menschen in Indonesien ihre muslimische Identität in Auseinandersetzung mit der „Arabischen Welt“ leben, das ist die zentrale Frage der Arbeit. Indonesien beheimatet die größte muslimische Gesellschaft der Welt. Dennoch wird das Land als Peripherie der Islamischen Welt gesehen und es gibt immer wieder Kontroversen zu islamischer Lebensgestaltung. Seit dem Übergang von Autokratie zu Demokratie 1998 verbreiten sich konservative islamische Traditionen, die mitunter als „Arabisierung“ bezeichnet werden. Vor diesem Hintergrund analysiert Lücking die Erfahrungen indonesischer Mekka-Pilger und ArbeitsmigrantInnen. Die religiöse Zentralität der Arabischen Welt, als Geburtsstätte des Islam und Ziel der Hajj (Pilgerreise nach Mekka), steht in einem starken Kontrast zu Ausbeutung und Misshandlung indonesischer Hausangestellter, die in Privathaushalten in den Golfstaaten arbeiten. Diese unterschiedlichen Erfahrungen prägen ambivalente Bilder der Arabischen Welt in Indonesien. Zusätzlich verstärken die Auslandserfahrungen die Identifizierung als indonesische Staatsbürger und Zugehörige lokaler ethnischer Gruppen. Grund dafür ist die Strukturierung (guidance) der Mobilität (mobility) durch staatliche und private Akteure. Lückings Konzept der „geleiteten Mobilität“ (guided mobility) lenkt die Aufmerksamkeit auf soziale Beziehungen und kulturelle Repräsentationen, die Menschen Orientierung geben und Auslandserfahrungen im lokalen Kontext bedeutsam machen. Folglich stärkt die Auseinandersetzung mit der Arabischen Welt nationale und lokale islamische Identitäten in Indonesien. Über das Fallbeispiel hinaus zeigt die Arbeit, inwiefern globalisierte Mobilität kulturellen Wandel oder sozio-kulturelle Kontinuität anregt.

Der Dissertationspreis der DGSKA wurde im Jahr 2017 von der Mitgliederversammlung eingerichtet und wird in Zukunft alle zwei Jahre verliehen werden. Nominiert werden können herausragende ethnologische Promotionsarbeiten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, die auf ethnographischer Forschung basieren oder Themen der Fachgeschichte behandeln. Die DGSKA wurde 1929 als „Gesellschaft für Völkerkunde gegründet“ und ist eine Fachvereinigung von Ethnologinnen und Ethnologen und an der Ethnologie interessierten Personen und Institutionen. Im Jahr 2017 wurde die Fachvereinigung bei ihrer Zweijahreskonferenz in Berlin in Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie umbenannt. Sie hat derzeit 780 Mitglieder.

Dissertationspreis für Mirjam Lücking