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Ethnologie in Freiburg

Die Ethnologie (in englisch-, spanisch und französischsprachigen Ländern meist als Sozial- oder Kulturanthropologie bezeichnet) hat ihre Wurzeln in der Erforschung "fremder" Kulturen. Das Fach entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem Bemühen, außereuropäische, nicht-industrialisierte Gesellschaften zu verstehen, zu vergleichen und darüber zu allgemeinen Aussagen zu gelangen.

Auch in der gegenwärtigen Orientierung der Ethnologie geht es darum, die soziale und kulturelle Vielfalt sowie die Übereinstimmungen in den menschlichen Lebensweisen zu erfassen. Die Vielgestaltigkeit kultureller Modelle soll aufgezeigt, und die kulturelle Bedingtheit von menschlichem Denken und Handeln und von gesellschaftlichen Institutionen soll erforscht werden. Damit lassen sich die von eigenen kulturellen Selbstverständlichkeiten eingeengten Perspektiven erweitern. Das heutige Fachverständnis bezieht sich dabei nicht mehr nur auf kleine, relativ homogene und klar abgrenzbare Gemeinschaften, sondern auch auf komplexe Sozialsysteme und interkulturelle Dynamiken.

Die Ausrichtung des Freiburger Instituts, seit Oktober 2002 unter der Leitung von Judith Schlehe, bezieht sich primär auf eine gegenwartsorientierte Ethnologie, deren Methoden und Betrachtungsweisen in einem globalen Feld und in interdisziplinärer Zusammenarbeit in Theorie und Praxis einen spezifischen Beitrag zu leisten vermögen. Heutige kulturelle Prozesse und Identitäten sind durch die komplexe Dynamik von Globalisierung, Transnationalisierung und (Re)Lokalisierung gekennzeichnet. Gestaltungsprozesse von Kulturen im Rahmen unterschiedlicher Begegnungen, Beziehungen und Machtverhältnisse sind zu analysieren.

Forschungsfelder sind Handlungspraxen und Bedeutungsgehalte, aber auch historische Quellen sowie zeitgenössische Text- und Bilddokumente. Sie prägen und spiegeln kulturelle, ethnische, geschlechtliche und nationale Identitäten sowie die Hierarchisierung von Differenzen. Dazu zählen beispielsweise Ethnographien, die neue, transnationale Gemeinschaften und Diasporakulturen betreffen oder die den Umgang mit globalen Einflüssen in diversen lokalen Kontexten dokumentieren. Ebenso werden Untersuchungen indigener ethnischer Minderheiten durchgeführt, sowie auch Studien über spezifische kulturelle Szenen.

Dabei geht die ethnologische Perspektive primär von der Erforschung von Alltagskulturen, von der Einbettung kultureller Phänomene in strukturelle Kontexte, von Organisation und Vernetzung von Gesellschaften - und v.a. von Menschen als Träger und Schöpfer von Kulturen - aus. Alle Geschlechter, sämtliche sozialen Akteure sind von Interesse.

In der Feldforschung sollen die Sichtweisen der Subjekte erfasst werden, welche sodann kulturübergreifend verständlich zu machen/zu übersetzen sind, denn ethnographische Beschreibungen sollen - ebenso wie Theoriebildung und kritische Analysen - immer in empirischen, auf die Erfahrungen konkreter Menschen bezogenen Daten begründet sein.

Im Rahmen der Globalisierung kultureller, politischer und wirtschaftlicher Beziehungen wird auch die Erforschung der kulturellen und lokalen Differenzen immer wichtiger. Diese behaupten sich im Kontext der Globalisierung nicht nur, sondern können sich sogar verschärfen. Das zeigt sich weltweit in der Ethnisierung sozialer Konflikte.

Zugleich ist sowohl die aktuelle als auch die historische Dynamik transkultureller Neugestaltungen (auch in der eigenen Gesellschaft) in den Blick zu nehmen. Die Begrenzung auf den außereuropäischen Raum und auf indigene Gesellschaften wird damit aufgehoben, wobei eine dezidiert ethnologische - d.h. kulturvergleichende und systematisch verfremdende - Perspektive beibehalten wird.

Breites ethnographisches Wissen und eigene Feldforschungserfahrung als unabdingbare Voraussetzungen dafür sollen die Studierenden sich im Verlauf ihres Studiums aneignen.

 

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